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Quelle: Künstlicher Abzweig vom Jordan am Marktplatz
Abzweighöhe: 135 m. ü. N.N.
Länge: 1,1 km
Mündung: Auf der Mersch in die Lippe
Der Mittelgraben ist Bestandteil eines ab dem 17. Jahrhundert groß angelegten Flößgrabensystems. Diese Gräben dienten der Be- und Entwässerung der Auenwiesen. Zahlreiche kleine Wehre stauten im Frühjahr das schwebstoff- und nährstoffreiche Hochwasser in die Wiesen, die dadurch gedüngt wurden und mehr Ertrag brachten. Viele dieser Bereiche liegen heute im Stadtgebiet und sind bebaut.
Das Wasser des erhaltenen Mittelgrabens wird am Bad Lippspringer Marktplatz dem Jordan abgezweigt. Die Abzweigstelle ist durch Bebauung schwer einsehbar. Das seinerzeit umfängliche Flößgrabensystem verband die Fluss-Systeme Lippe, Jordan und Strothebach miteinander. Alte Flur- und Straßennamen wie Vorderflöß oder Mühlenflöß sind bis heute Zeugnisse dieser alten Kultur, die im 19. und 20. Jahrhundert schrittweise aufgegeben wurde. Die Gräben wurden zugeschüttet.
Am Mittelgraben wurden früher auch mehrere kleine Mühlen als Bohr- und Ölmühlen betrieben. Der Mittelgraben folgt parallel- und geradeausfließend zunächst mit wenig Gefälle der Lippe. Nach zwei starken Biegungen im Bereich „Wiesenweg“ wendet sich das Gewässer mit größerem Gefälle der Lippe zu und mündet hinter einer Forellenzucht-Anlage nahe der Straße „Auf der Mersch“ in den Hauptfluss.
Seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde vom Mühlengraben auch Wasser unter der heutigen Detmolder Straße her in Richtung der Felder und Teiche auf dem „Vorderflöß“ geleitet. Sogar die bischöflichen Teiche am Wilhelmsberg in Neuhaus erhielten davon zeitweise Wasser. Die heutige Bleichstraße erinnert an eine Anfang des 20. Jahrhunderts mit Wasser aus dem Mühlenraben betriebene gewerbliche Bleiche.
Einige Bereiche des Mittelgrabens sind an dessen Ufer zwischen der „Wilhelm Hücker Straße“ und der Straße „Mittelgraben“ durch einen Uferweg erschlossen und laden zu Spaziergängen ein.

